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Standort Friedrichsruh

Objekt: Kanonenkugel auf steinernem Sockel mit der Inschrift „Rolf Krake, 28.3.1864“


Material: Eisen, Stein


Maße: 55 x 132 x 107 cm


Ort: Bismarck-Museum, Friedrichsruh


Inventar-Nummer: A 206


Von Tobias Köhler


Der Schreibtisch Otto von Bismarcks in dessen nachgestelltem Arbeitszimmer im Bismarck-Museum von Friedrichsruh wird von einem mächtigen Bilderrahmen, einer Standuhr, zwei Lampen und einer großen Ledermappe, welche den Eindruck erweckt, als würde der Reichskanzler gleich wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren, dominiert. Während der flüchtige Blick nur diese Objekte wahrnimmt, offenbaren sich dem aufmerksamen Besucher eine Vielzahl weiterer interessanter Gegenstände, die jedoch aufgrund ihrer Größe unscheinbarer wirken. Eines dieser Objekte ist eine kleine schlichte Metallkugel, die auf eine steinerne Platte montiert wurde, welche die Gravur „Rolf Krake 28.3.1864“ trägt. Das Objekt gehört zu den wenigen Exponaten des Museums, die einen unmittelbaren Bezug zum Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 haben. Auffällig an der Kugel ist der Umstand, dass der obere Teil abgeschliffen wurde. Trotz ihrer Schlichtheit und Unauffälligkeit zeugt dieses Objekt von einer der blutigsten Episoden des Deutsch-Dänischen Krieges, dem Ringen um die Düppeler Schanzen.


Der Name „Rolf Krake“ war vor 152 Jahren weit über die Grenzen Dänemarks hinaus bekannt. Schließlich trug nicht nur ein legendärer nordischer Sagenkönig diesen Namen, sondern auch das erste moderne Panzerschiff Europas. In dänischem Auftrag in Glasgow gebaut und im Sommer 1863 vom Stapel gelaufen, stellte die „Rolf Krake“ ein Novum in der europäischen Seekriegsführung dar. Denn obgleich schon eiserne Panzerschiffe im amerikanischen Sezessionskrieg (1861 – 1865) zum Einsatz gekommen waren, hatte diese Technik bis dahin noch keinen Einzug in Europa gehalten.[1]


Dementsprechend stolz war das dänische Militär auf seine neueste Erwerbung; und dies zu recht. Schließlich stellte das Turmschiff mit einer Maschinenleistung von 750 PS, einer Rumpfpanzerung von zwölf Zentimeter Stärke und zwei drehbaren Geschützen mit vier schweren 60-Pfünder-Kanonen einen mehr als bedrohlichen Gegner dar.[2] Allein aufgrund ihrer Erscheinung konnte die „Rolf Krake“ Angst und Schrecken verbreiten. Als schwarzes, todbringendes Ungetüm, das in eine dunkle Rauchwolke gehüllt war, glich sie so gar nicht den bisher vertrauen Kriegsfahrzeugen der Seefahrt. Nicht umsonst hat Theodor Fontane diesem Schiff in seinem Roman „Der Stechlin“ ein literarisches Denkmal gesetzt.[3] Obwohl das eiserne Panzerschiff als militärische Neuheit eine Aura der Unbesiegbarkeit besaß, hatte die „Rolf Krake“ während der gesamten Dauer des Deutsch-Dänischen Krieges nur einen einzigen erfolgreichen Einsatz zu verzeichnen.[4] Dieser fand am Morgen des 28. März 1864 während der Belagerung der Düppeler Schanzen durch preußische Truppen statt.


Wenige Tage zuvor war auf preußischer Seite der Entschluss gefasst worden, im Vorfeld der Schanzen Parallelgräben auszuheben und sich immer weiter an den Feind heranzuarbeiten. Auf diese Weise würde man beim bevorstehenden Sturmangriff auf die Schanzen die Distanz zwischen Dänen und den eigenen Stellungen auf ein Minimum beschränken können. Die preußischen Soldaten wären hierdurch nur kurze Zeit den feindlichen Kugeln im deckungslosen Niemandsland zwischen den Stellungen ausgeliefert. Zur Vorbereitung für dieses Unterfangen wurden die beiden Regimenter Nr. 8 und 18, die unter dem Befehl des Generalmajors Eduard von Raven („Brigade Raven“) standen, in der Nacht vom 27. auf den 28. März damit beauftragt, das Gelände für die erste Parallele zu erobern. Ihr Auftrag war es, den Feind zu überraschen und auf ganzer Linie zwischen den Schanzen 1 bis 8 zurückzudrängen.


Obwohl es den Preußen im Schutz der Dunkelheit gelang, die feindlichen Feldwachen zu überfallen und das vorgesehene Terrain zu sichern, gerieten Teile der Brigade bei Tagesanbruch in das Feuer der Schanzenbesatzungen. Hierdurch sahen sich die Angreifer gezwungen, an der südöstlichen, dem Wasser zugeneigten Flanke in Deckung zu gehen. Groß waren der Schreck und die Überraschung bei den Soldaten, als sie auch hier, diesmal jedoch von See aus, unter Feuer genommen wurden. Unbemerkt von den Preußen war die „Rolf Krake“ im Schutz der Dunkelheit in den Wenningbund eingefahren und hatte sich hier auf die Lauer gelegt. Gnadenlos nahm das Schiff die feindlichen Truppen nun aus nächster Nähe mit großen Kartätschen und Schrappnellgeschossen unter Beschuss. Da die preußische Artillerie, die nun ihrerseits das Panzerschiff mit Granaten beschoss, sich rasch als machtlos gegen deren Panzerung erwies, blieb den Angreifern nur der Rückzug in die Ausgangsstellungen übrig. Nach dem der preußische Angriff durch sein Eingreifen zurückgeschlagen worden war, zog sich das Panzerschiff rasch wieder zurück, sodass das Gefecht gegen 9.30 Uhr sein Ende fand.[5] Die dänische Seite zählte 138 Tote und Verwundete sowie 63 eigene Gefangene, die Preußen verloren 147 Tote und Verwundete nebst dem Verlust von 31 Gefangenen. Trotz des Zurückschlagens des preußischen Angriffs, dessen Verdienst vor allem beim Panzerschiff „Rolf Krake“ lag, konnten sich auch die Belagerer über einen, wenn auch teuer erkauften Erfolg freuen. So konnte durch das Zurückdrängen der dänischen Vorposten schon in der folgenden Nacht mit dem Bau der ersten Parallelstellungen begonnen werden. [6] Der letzte Akt im Ringen um die Düppeler Schanzen hatte damit begonnen.


Doch wie gelange ein eisernes Geschoss der „Rolf Krake“ vom Ufer des Wenningbund auf den Schreibtisch des Reichskanzlers Otto von Bismarck? Einen Hinweis auf dies Frage liefert uns eine Papiernotiz, die auf die Unterseite der steinernen Platte geklebt wurde: „Das unterzeichnete Comité hat durch zwei seiner Mitglieder die dänischen Kugeln und Granatsplitter auf den verschiedenen Kampfstätten sammeln lassen, und kann daher mit bestem Recht die Echtheit der aufgeklaubten Stücke als von den bezeichneten Kämpfen herrührend bescheinigen. Berlin, den 18. April 1864. Das Comité zur Verpflegung der durchpassirenden Verwundeten etc.“ Dieser Text deutet darauf hin, dass es sich bei dem Objekt wohl um keine Einzelanfertigung für Otto von Bismarck handelte, sondern um eine ganze Reihe ähnlicher Erinnerungsstücke, die im Auftrag des genannten Komitees hergestellt wurden. Diese Annahme wird auch durch einen Artikel im „Regensburger Morgenblatt“ aus dem April 1864 gestützt. In diesem heißt es unter der Überschrift „Briefbeschwerer aus dänischen Kugeln“: „Die Idee des Berliner Comités zur Verpflegung der durchpassirenden Verwundeten, Briefbeschwerer mit dänischen Kugeln und Granatstücken aus den Kämpfen von Missunde, dem Dannewerken und den Düppeler Forts anfertigen zu lassen und sie zum Besten der Verwundeten und zur Unterstützung der in Gefangenschaft gerathenen Soldaten, sowie der Hinterbliebenen der Gefallenen zu verkaufen, hat den größten Anklang gefunden. Aus allen Theilen Deutschlands gehen dem Comité Bestellungen darauf zu. Die Anfertigung wir möglichst beeilt und Ende April die Versendung beginnen.“[7] Die Frage, ob Otto von Bismarck seinen Briefbeschwerer bereits 1864 aus den Händen der Komiteemitglieder erhielt oder ob ein Verehrer ihm das Objekt in späteren Jahren als Geschenk zukommen ließ, wird sich wohl nicht mehr eindeutig beantworten lassen.




[1] Buk-Swienty, Tom: Schlachtbank Düppel: 18. April 1864. Geschichte einer Schlacht, Berlin 2011, S. 53.

[2] Vgl. S. v. Chr: Rolf Krake, in: Poten, Berhhard von (Hrsg.): Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften, 8. Bd. Polnischer Thronfolgekrieg bis Siena (Nachdruck des Originals von 1880), Paderborn 2015, S. 157f.

[3] Vgl. Fontane, Theodor: Der Stechlin. Berlin 1899.

[4] Ganschow, Jan/Haselhorst, Olaf/Ohnezeit, Maik: Der Deutsch-Dänische Krieg 1864. Vorgeschichte – Verlauf- Folgen, Graz 2013, S. 113.

[5] Zum Ablauf des Gefechts siehe Pflug, Ferdinand: Der Deutsch-Dänische Krieg. Geschichte des Feldzugs in Schleswig-Holstein im Jahre 1864, Leipzig 1865, S. 100f; Fontane, Theodor: Der Schleswig-Holsteinische Krieg im Jahre 1864, Berlin 1866, S. 59f.

[6] Westphal, Walter: Von Bornhöved bis zur Erstürmung der Düppeler Schanzen. Vergessene Schlachten und Kriege in Schleswig-Holstein, Norderstedt 2001, S. 143.

[7] Regensburger Morgenblatt Nr. 97 vom 30.4.1864.

 

 

Objekt: Erste Seite des Friedensvertrages zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich, Frankfurt/M. , 10. Mai 1871 (Faksimile)

Material: Papier, Textil

Ort: Dauerausstellung Otto-von-Bismarck-Stiftung

 

Von Melih Esmer

Unter den „Einigungskriegen“ zwischen 1864 und 1871 zeichnete sich vor allem der Deutsch-Französische Krieg durch seine überaus große Bedeutung im Zusammenhang mit der Reichsgründung aus. Bismarcks Rechnung ging auf: Die Kriegserklärung Frankreichs war insofern ein ihm gelegenes Manöver, weil sie eine Welle von nationaler Begeisterung in den deutschen Staaten auslöste, welche im Hinblick auf die spätere Reichsgründung eine nicht zu unterschätzende Rolle einnahm.

Nachdem sich Kaiser Napoleon III. nach der Schlacht von Sedan Anfang September 1870 ergeben hatte, leistete die neugebildete provisorische Regierung in Paris weiterhin Widerstand. Besonders Jules Favre, der Außenminister der kurz zuvor ausgerufenen Republik, war ein entschiedener Befürworter des Widerstands, doch wie auf dem hier präsentierten Exponat zu sehen ist, war er am Ende doch gezwungen, einen Friedensvertrag zu Bismarcks Bedingungen zu unterzeichnen. Zum Ärger einiger deutscher Militärs bevorzugte Otto von Bismarck eine politische Lösung des Konflikts, die jedoch vorerst nicht zu Stande kam, weil die republikanische Regierung in Paris die von deutscher Seite geforderten Gebietsabtretungen nicht hinnehmen wollte. Doch die innenpolitische Lage in Frankreich verschärfte sich parallel zum immer noch andauernden Krieg. So kapitulierte die von den Deutschen eingeschlossene Hauptstadt Paris schließlich, und die republikanische Regierung war gezwungen, zunächst einen Waffenstillstand zu vereinbaren, woraufhin eine Nationalversammlung gewählt wurde, die den deutschen Forderungen zustimmte. Somit wurde eine Grundlage für den Vorfrieden von Versailles (26. Februar 1871) geschaffen. Hierbei wurde verbindlich festgelegt, welche Gebiete die dritte Französische Republik an das neugegründete deutsche Kaiserreich abtreten sollte. Außerdem wurden Reparationen in Höhe von fünf Milliarden Francs festgelegt. Ein interessantes Detail ist, dass eine derart hohe Summe selbst aus Bismarcks Sicht im Grunde unangemessen war, weil sie den tatsächlichen Kosten der materiellen Kriegsschäden nicht entsprochen habe.

Wie der Name schon erahnen lässt, ist der Vorfrieden von Versailles kein endgültiger Friedensschluss gewesen. Jetzt tritt das Exponat des Monats in Erscheinung, denn es beinhaltet die Korrektur, aber vor allem die Sanktion der im Versailler Vorfrieden genannten Beschlüsse. Der am 10. Mai 1871 in Frankfurt am Main nach langwierigen und von den Franzosen hinhaltend geführten Verhandlungen abgeschlossene Friedensvertrag beendete den im Jahr zuvor ausgelösten Deutsch-Französischen Krieg. Das Dokument umfasst 18 Artikel zuzüglich dreier zusätzlicher Bestimmungen. Diese regelten neben der Höhe und Modalitäten der von Frankreich zu zahlenden Kriegsentschädigung auch die Abtretung von Elsass und Lothringen, die Dauer des Aufenthalts der deutschen Besatzungstruppen, die Frage der Rückführung der Kriegsgefangenen sowie weitere völkerrechtliche und handelspolitischen Fragen. Unterzeichnet wurde der Friedensvertrag unter anderem von Reichskanzler Otto von Bismarck für die deutsche sowie von Jules Favre für die französische Seite.

Insbesondere die Gebietsverluste und die Höhe der Reparationen wurden in Frankreich als demütigend empfunden und hinterließen Spuren in der kollektiven Erinnerung der Franzosen. In Deutschland wurde der Erwerb Elsass-Lothringens hingegen überwiegend positiv aufgenommen. Die ersten Worte des auf Französisch verfassten Vertragstextes bezeichnen den Namen des Mannes („Der Fürst Otto von Bismarck-Schönhausen, Kanzler des Deutschen Reichs“), dem es schließlich gelungen war, durch diplomatische Bemühungen den Krieg zugunsten des deutschen Kaiserreichs zu beenden.

Wenn Bismarck heute überwiegend als pragmatischer Politiker und vorausschauender Diplomat betrachtet wird, hat dies auch mit dem Deutsch-Französischen Krieg zu tun, welcher als letzter der drei „Einigungskriege“ die Einheit Deutschlands unter der Führung Preußens bewirkte.

Der Gewinn der beiden Provinzen Elsass und Lothringen war ein großer Triumph für die Deutschen, schließlich war es der erste große militärisch-politische Erfolg des noch jungen Kaiserreichs. Der Sieg über Frankreich bildete das Fundament für den neuentstandenen Staat. Parallel zu der deutschen Euphorie erlitten die Franzosen mit der Kaiserproklamation in Versailles und den Gebietsverlusten eine der größten Demütigungen ihrer Geschichte. Die deutsch-französische „Erbfeindschaft“ hatte nach den napoleonischen Feldzügen und den Befreiungskriegen einen weiteren Höhepunkt erreicht.

Otto von Bismarck war sich der Tatsache bewusst, dass Frankreich mittelfristig nicht als Verbündeter zu gewinnen war, es war aus deutscher Sicht eher eine militärische Revanche zu befürchten. In Anbetracht dieser Ausgangslage legte es Bismarck außenpolitisch auf eine Isolation Frankreichs an, die er in seiner Amtszeit als Reichkanzler durch eine geschickte Bündnispolitik auch durchsetzen konnte. Doch nach dem Ende der Ära Bismarck 1890 wandten sich seine Nachfolger von dessen Politik der „Saturiertheit“ ab.

Der Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 bietet noch heute ausreichend Stoff für kontroverse Diskussionen. Hätten die Deutschen auf Elsass-Lothringen verzichten sollen? Musste die Kaiserproklamation unbedingt im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles durchgeführt werden? War Bismarck durch seine Friedensbedingungen möglicherweise sogar der Wegbereiter für einen zukünftigen Konflikt in Europa?

Auch wenn diese Fragen nicht abschließend zu beantworten sind, ist eines sicher, nämlich die Bedeutung des hier vorgestellten Exponats. Der Frieden von Frankfurt beendete zwar den Deutsch-Französischen Krieg, aber er stellte die Beziehungen zwischen beiden Staaten nicht auf eine solide Grundlage. Besonders die Abtretung Elsass-Lothringens sollte das Verhältnis zwischen beiden europäischen Großmächten langfristig belasten. Auch wenn heute ein kriegerischer Konflikt zwischen den beiden Nationen ausgeschlossen scheint, sollen die Ereignisse von 1870/71 und was daraus folgte den Blick dafür schärfen, dass die freundschaftliche Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich keine Selbstverständlichkeit, sondern letztlich die Konsequenz aus den Erfahrungen zweier Weltkriege ist.

 

 


 

Objekt: Fotografie Juan Prim y Prats


Material: Papier/Karton


Herstellung: um 1860/65


Herstellungsort: Madrid


Maße: Breite: 6,3 cm; Höhe:10,5 cm


Standort: Archiv der Otto-von-Bismarck-Stiftung


Inventar-Nr. Bestand 14/7/1, ohne Inventarnummer

 


Von Ina Redwanz

Die aus der fotografischen Sammlung des Archivs der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh stammende Abbildung des spanischen Generals und Politikers Juan Prim y Prats führt zurück in die Zeit vor Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. Die Fotografie, die um 1860[1] von Jean Laurent aufgenommen wurde, zeigt Juan Prim y Prats, der seit 1868 Innenminister und seit 1869 Ministerpräsident und Kriegsminister in Spanien war.[2] Prim wurde ist 1814 in Reus (Katalonien) geboren und im Alter von 56 Jahren ermordet.

 

Der französische Fotograf Jean Laurent lebte von 1816 bis 1886 und hatte seit 1843 seinen Wohnsitz in Madrid. 1856 errichtete er sein Fotostudio in der Nähe des Abgeordnetenhauses und machte seine Leidenschaft zur Profession. Die Adresse des Studios ist auf der Rückseite der Fotografie, bei der es sich um eine Carte de Visite handelt, angegeben (39, Carrera de S. Geronimo, Madrid). Laurent fertigte vor allem Landschafts- und Städteaufnahmen an, aber auch von interessanten oder populären Persönlichkeiten existieren Fotografien. Darauf lässt auch der ihm zwischen 1861 und 1868 verliehene Titel „Fotógrafo de Su Majestad la Reina“, die ihn als Hoffotografen Königin Isabellas II. ausweisen, schließen. Seine im Auftrag der Regierung angefertigten Fotografien von öffentlichen Bauten wie Straßen, Brücken, Bahnhöfen, Häfen und Kanälen in Spanien wurden sogar auf der Pariser Weltausstellung 1867 präsentiert. Er gilt als einer der bedeutendsten Fotografen aus dem Spanien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dessen Fotografien noch heute öffentlich präsentiert und gewürdigt werden.[3] Im Jahr 1868 eröffnete er in Paris ein Geschäft, das dem Verkauf seiner Fotografien diente, (27, rue Richelieu, à Paris).

 

Zum ungefähren Zeitpunkt der Aufnahme führten die soziopolitischen Umstände in Spanien zunehmend zu Konflikten zwischen der sehr konservativ und autoritär eingestellten Regierung mit Isabella II. als Königin sowie den linksliberalen Strömungen, die zunehmend gegen das repressive System der spanischen Krone protestierten. Gegen dieses Aufbegehren der linken Opposition versuchte die rechtsgerichtete Regierung mit drastischen Mitteln vorzugehen, jedoch spitzte sich die Lage weiter zu, bis sich die Spannungen schließlich in der Revolution von 1868 entluden.[4] An dieser Stelle spielte Juan Prim y Prats eine entscheidende Rolle, da er maßgeblich an der Ausübung des Putsches beteiligt war und somit auch am Sturz von Isabella II. Die Revolution hatte weitreichende Folgen, die in der Problematik der spanischen Thronfolgefrage, die wiederum im Deutsch-Französischen Krieg gipfelte.

 

General Juan Prim, der sich im militärischen Dienst ausgezeichnet und früh politisch engagiert hatte, ging aus den Parlamentswahlen vom Januar 1869 erfolgreich als neuer Ministerpräsident hervor und war somit in der Position, bei der Wahl des spanischen Thronfolgers (die Einführung der Republik stand für Prim und seine politischen Verbündeten nicht auf der Tagesordnung) seine Stimme verlauten zu lassen und die Entwicklung zugunsten seiner Vorstellungen beeinflussen zu können. Der Vorschlag, den Sohn Isabellas, Kronprinz Alfons, Fürst von Asturien, für die spanische Thronfolge in Betracht zu ziehen, wurde von Prim abgelehnt, da er gegen die Thronbesteigung eines Bourbonen war. Grund für diese Ablehnung war das Bestreben, Spanien weitestgehend vom französischen Einfluss zu befreien. Dies kam ebenfalls dem zunehmend antifranzösischen Kurs des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck entgegen, in dessen Interesse es lag, eine Hohenzollernkandidatur zu befürworten. Als geeigneter Kandidat erschien der spanischen Regierung schließlich Prinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, der zum einen mit Kaiser Napoleon III. verwandt war und zum anderen der katholischen Line des Hauses Hohenzollern entstammte. Ein weiterer Vorteil im Zusammenhang mit der Kandidatur des Prinzen Leopold für die spanische Thronfolge, schien für die spanische Regierung darin zu liegen, dass Spaniens Stellung in Europa durch die hinter Prinz Leopold stehende Großmacht Preußen gestärkt werden könnte.[5] Frankreich signalisierte jedoch bald, dass es diese Entscheidung nicht tolerieren werde.

 

Hier stellt sich die Frage, ob der Vorschlag für die Kandidatur von Seiten der Regierung Prims mit zweifacher Absicht intendiert war, um Bismarcks Konfrontationskurs gegenüber Frankreich zu ermöglichen. Durch ein Verschärfen der französisch-preußischen Beziehungen wäre Spanien aus dem Mittelpunkt der Interessen gerückt, und Prim hätte ganz nach seinen Präferenzen einen geeigneten Thronfolger vorschlagen können.[6] Letztendlich folgte Prim jedoch nicht Bismarcks taktischen Überlegungen, die darauf abzielten, Frankreich vor vollendete Tatsachen bezüglich der Thronfolgefrage zu stellen, sondern sorgte vielmehr dafür, dass der französische Botschafter in Madrid frühzeitig informiert wurde, um die prekäre Lage zu entschärfen und die aufgebrachte französische Regierung und öffentliche Meinung zu beruhigen. Dies gelang letztlich nicht, und nach einer Abfolge diplomatischer Auseinandersetzungen erklärte das Kaiserreich Frankreich am 19. Juli 1870 Preußen den Krieg. Die Folgen sind bekannt: Frankreich verlor diesen Waffengang, Kaiser Napoleon III. seinen Thron und die Deutschen erhielten ihren Nationalstaat.

 

Nach dem Scheitern der Kandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern fiel die Wahl Prims schließlich auf den italienischen Prinzen Amadeus von Savoyen, der Ende November 1870 vom spanischen Parlament zu neuen König gewählt wurde. Wenige Wochen später, am 27. Dezember 1870, wurde Prim von einer Gruppe unbekannter Männer angegriffen und durch Schusswaffen schwer verletzt. Er verstarb angeblich drei Tage später an seinen schweren Wunden. Die Umstände dieses Verbrechens und seine Urheber konnten bis heute nicht eindeutig ermittelt werden. Forensische Untersuchungen im Jahr 2012 ergaben, dass Prim vermutlich nicht an den Schussverletzungen gestorben ist, sondern nach dem Anschlag erdrosselt wurde.

 

Die hier gezeigte Fotografie erhielt sich in einer Sammlung von Fotografien aus dem Nachlass Otto von Bismarcks mit weiteren Persönlichkeiten aus Politik und Militär Spaniens aus den 1860er Jahren.



[1]http://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File%3ALAURENT%2C_1861%2C_RETRATOS.pdf&page=5

[2] Vgl. Ohnezeit, Maik, Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Vorgeschichte, Ursachen und Kriegsausbruch, in: Ganschow, Jan; Haselhorst, Olaf; Ohnezeit, Maik (Hrsgg.), Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71. Vorgeschichte. Verlauf. Folgen, Graz 2009, S. 44 f.

[3] So präsentierte zum Beispiel die National Gallery of Art in Washington im November/Dezember 2011 Fotografien Laurents in einer Ausstellung mit dem Titel „The Solemnity of Shadows: Juan Laurent’s Vision of Spain“, https://www.nga.gov/exhibitions/2011/laurent/laurent.pdf, letzter Besuch am 31.10.2014.

[4] Vgl. Ohnezeit, S. 44.

[5] Ebd., S. 49.

[6] Vgl. Kleinmann, Hans-Otto, Die spanische Thronfrage in der internationalen Politik vor Ausbruch des deutsch-französischen Krieges, in: Kolb, Eberhard (Hrsg.), Europa vor dem Krieg von 1870, München 1987, S. 129.

 

 

Objekt: Eichenstamm mit eisernem Amboss, dazu sieben Werkzeuge und diverse Verziehrungen, beschriftet mit „Nord-Süd“

Hersteller: Die Bergischen Schmiede von Remscheid (Hans Friedel)

Material: Eiche, Buche, Eisen, Gold, Metalle, Emaille, Leder

Maße: 1,41 x 80 x 70cm

Ort: Bismarck-Museum, Friedrichsruh

Inventar-Nummer: A 052

 

Von Änn Theuerkorn

Betritt man den vierten Raum des Bismarck-Museums in Friedrichsruh, so fällt neben dem riesigen Gemälde, welches die Kaiserproklamation von 1871 zeigt, vor allem ein Exponat sofort ins Auge: Ein eiserner Amboss auf einem massiven Eichenstamm. Reich sind die Verzierungen dieses Geschenks, welches der Altreichskanzler Otto von Bismarck zu seinem 80. Geburtstag am 1. April 1895 von den Bergischen Schmieden in Remscheid überreicht bekam.

 

So wird der Amboss zum einen von einem vergoldeten Lorbeerkranz geschmückt – ein Sinnbild für Sieg und Patriotismus. Zum anderen findet man einen Eichenzweig und natürlich den Eichenstamm, der das Gerüst des Exponats bildet: Die Eiche ist seit jeher ein Symbol der deutschen Mentalität und steht für Stärke, Beständigkeit und Treue. Auch der Ledergurt, welcher um den Eichenstamm gespannt wurde und einige der sieben Werkzeuge hält, steht symbolisch für Haltbarkeit. Weiterhin findet man auf dem Museumsstück eine kleine Kaiserkrone und das Abbild eines Reichsadlers, welche sehr zentral auf dem Objekt angeordnet sind.

 

Der Amboss und die Werkzeuge, auf die das Augenmerk hauptsächlich fällt, vertritt die wichtigste Symbolik des Exponats: Bismarck als „Schmied des Deutschen Kaiserreiches“. Auch die Schriftzüge „Nord“ und „Süd“, die sich auf den Hälften einer Eisenstange auf dem Exponat befinden, und die Wappen der sieben deutschen Bundesstaaten symbolisieren den Zusammenschluss der süddeutschen Staaten und dem Norddeutschen Bund zu einem vereinigten Kaiserreich.

 

Die Bezeichnung Bismarcks als „Reichsschmied“ ist ein schon von den Zeitgenossen häufig benutzter Begriff und spielt auf die Tatsache an, dass es vor allen Dingen der Politik des Altreichskanzlers zu verdanken ist, dass 1871 aus Deutschland, welches wenige Jahre zuvor noch aus verschiedenen Territorialstaaten bestand, das Deutsche Kaiserreich hervorging. Bereits 1866, nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg, aus dem Preußen als Sieger hervorging, hatte Bismarck für die Annexion der deutschen Staaten gesorgt, die auf der Seite Österreichs gestanden hatten. Die mit Preußen verbündeten norddeutschen Staaten bildeten seit 1867 mit der Hohenzollern-Monarchie den Norddeutschen Bund. Dieser gilt als Vorläufer des deutschen Nationalstaates.

 

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg in den Jahren 1870/71 gliederte das Deutsche Reich den Zankapfel Elsass-Lothringen an und sorgte im Rahmen von Verhandlungen für den Beitritt der süddeutschen Staaten zum Norddeutschen Bund. Somit war die Nationalstaatsbildung besiegelt, und am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal des Versailler Schlosses der preußische König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Otto von Bismarck wurde sein erster Reichskanzler.

 

Der Ablauf der Reichsgründung lässt an die Worte Otto von Bismarcks aus dem Jahre 1862 erinnern: „Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen und Blut“. Ein Verweis auf dieses Zitat bietet auch die Inschrift, welche unter dem großen Amboss aus dem Museum zu finden ist:

 

„Der mit Eisen und Blut

Aus Haders Glut

Geschmiedet des neuen Reiches Krone –

Nimm Bergischer Schmiede Dank zum Lohne“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Objekt: Stulpenstiefel auf Spannern, getragen um 1890

Hersteller: Unbekannt

Material: Leder, Metall, Holz

Maße: 89 x 17 x 31cm³

Zustand: Leder abgenutzt, Schäfte beidseitig beschädigt

Ort: Bismarck-Museum, Friedrichsruh

Inventar-Nr.: A 092

Von Rayk Unger

Zugegeben: Ein Schuhwerk des ersten deutschen Reichskanzlers zum Exponat des Monats zu erheben, mag dem Leser des Blogs seltsam vorkommen, wenn nicht sogar ein irritiertes Kopfschütteln hervorrufen: „Haben Archiv, Stiftung und Museum wirklich nicht mehr zu bieten, als ein paar alte Lederstiefel?“ „Doch, haben sie“, muss die eindeutige Antwort auf diese Frage lauten. Genau aus diesem Grund ist es wichtig, auch auf die unscheinbareren Objekte im Bismarck-Museum aufmerksam zu machen, die sonst Gefahr laufen, beispielsweise von Orden überstrahlt oder vom Gewicht der Mitrailleuse erdrückt zu werden. Außerdem bildet der Artikel über die imposante Fußbekleidung den Auftakt zu einer kleinen Reihe über den militärischen Anputz des Fürsten, frei nach dem Motto „Des Kanzlers alte Kleider“.

Eine dieser ʻkleinerenʼ im Museum ausgestellten Objekte sind die zur Kürassier-Uniform Otto von Bismarcks gehörenden schwarzen Stulpenstiefel, welche knapp einen Meter messen und damit beeindruckend hoch sind. In jener vollen Höhe mit hochgekrempelter Stulpe wurden diese allerdings nur im Gefecht getragen. Die für gewöhnlich aus mehrlagigem Rindsleder gefertigten Stiefel fanden in vielen berittenen Einheiten Verwendung, wo sie auch in der hier ungepanzerten Version ohne Stahlplatte noch einen gewissen Schutz – beispielsweise vor z.B. Hieben – boten. Auf Höhe der Ferse ist ein der Befestigung des Sporns dienender Metallbügel zu erkennen, der wiederum durch einen auf dem Spann liegenden Lederriemen zusammengehalten wird. Otto von Bismarck gehörte zwar nur ehrenhalber zum Kürassier-Regiment v.Seydlitz (Magdeburgisches) Nr.7, war aber aufgrund dieser Tatsache zum Tragen der Regimentsuniform berechtigt, was die Stiefel mit einschloss; die hier abgebildeten Exemplare wurden um 1890 vom Altreichskanzler getragen.

Doch nicht nur die physischen Abdrücke der Stiefel waren gewaltig, auch im Sprachgebrauch schlug sich der Begriff der Kürassierstiefel nieder. So schrieb Otto Ladendorf in seinem 1906 erschienenen Werk Historisches Schlagwörterbuch, dass mit diesem „bildliche[n] Ausdruck“ „die Gegner Bismarcks seine Politik als ein rücksichtsloses Draufgängertum verhöhnten, [diesen] aber alsdann von den Verehrern des eisernen Kanzlers freudig ausgenommen und zur ehrenden Anerkennung seines kraftvollen, patriotischen Selbstbewußtseins umgeprägt wurde.“[1] Er verweist zudem auf ein 1867 veröffentlichtes Buch des Historikers Johannes Scherr[2], der an einer Stelle verschiedene politische Ausrichtungen beschreibt: „und ihr küsst morgen die Kürassierstiefeln Bismarcks“[3].

Die explizite Nennung der Stiefel lassen diese zu einem Symbol des weitreichenden Einflusses des Reichskanzlers werden, versinnbildlichen sowohl die physische Wirkmacht Otto von Bismarcks als auch den Stil seiner politische Tätigkeit und bilden somit ein standfestes Duo in ihrer Funktion als Exponat des Monats.



[2] http://gutenberg.spiegel.de/autor/718, zuletzt aufgerufen am 23.10.2014.

[3] Scherr, Johannes: Aus der Sündflutzeit, Leipzig 1867, S. 301; hier: Vorlage der Bayerischen Staatsbibliothek: http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10425388-3, zuletzt aufgerufen am 23.10.2014.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Objekt: Königlicher Hausorden von Hohenzollern, Großkomturkreuz mit Brillanten

Hersteller: Unbekannt, verliehen am 02.09.1873

Material: Silber, Gold, Emaille, Steine

Maße: 8,8 x 5,8 x 1,3 cm

Gewicht: 60g

Zustand: Gebrauchsspuren

Ort: Bismarck-Museum, Friedrichsruh

Inventar-Nr.: O 040 a, b

 

Von Rayk Unger

Die Zahl in der Artikelüberschrift verweist nicht etwa auf die Inventarnummer des Exponats, sondern auf die fünfundsechzigste Auszeichnung, die Otto von Bismarck am 2. September 1873 – dem ersten „Sedantag“[[1]] – anlässlich der Einweihung der Siegessäule in Berlin durch Wilhelm I. für seine großen Verdienste um den preußischen Staat verliehen wurde. Bei der exklusiven Dekoration handelt es sich um Kreuz und Stern der Grosskomture des Königlichen Hausordens von Hohenzollern in Brillanten, die insgesamt nur fünfmal verliehen wurde. [[2]]

Der Königliche Hausorden von Hohenzollern wurde am 18. Januar 1851 durch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen gestiftet beziehungsweise in die Riege der „Königlichen Preußischen Orden“ aufgenommen. In Art. 2 der Statuten heißt es dazu:

„Den Königlichen Hohenzollernschen Haus-Orden wollen Wir dem Andenken an den Ursprung und die Ausbreitung Unseres Königlichen Hauses widmen,[…]“. [[3]]

Auch deshalb verlieh der König die Auszeichnung an jene Personen,

„welche um die Erhaltung des Glanzes und der Macht des Königlichen Hauses sich verdient gemacht und eine besondere Hingebung an Uns und Unser Haus an den Tag gelegt haben[…, Art. 3]“. [[4]]

Die 2. Klasse des in Inhaber, Ritter, Komtur und Grosskomtur gegliederten Ordens, nämlich das Ritterkreuz des Hausorden, wurde Bismarck als zweite seiner Auszeichnungen schon am 11. Oktober 1851 – also nur wenige Monate nach der Stiftung – für seine Verdienste um das Königshaus verliehen und ähnelt stark dem Grosskomturkreuz in Brillanten.

Der Orden selbst besteht aus einem weiß emaillierten Ruppert-Kreuz [[5]] mit schwarzer Umrandung, deren Kreuzarme durch einen zweigeteilten Kranz – zum einen aus Lorbeeren und zum anderen aus Eichenlaub – miteinander verbunden werden. Vom Kranz umschlossen ist die auf den territorialen Werdegang hinweisende – die Dynastie stammt ursprünglich aus Süddeutschland und expandierte in den nord- und ostdeutschen Raum – Devise der Hohenzollern zu lesen: „Vom Fels zum Meer“. Der Leitspruch umschließt seinerseits den preußischen Adler, der das Wappenschild des Hauses auf seiner Brust trägt und Zepter sowie Reichsapfel in seinen Klauen hält. [[6]] Die Rückseite enthält das Stiftungsdatum: „Den 18. Januar 1851“ und die Initialen „FWR“ des Stifters König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. [[7]] Als Überhöhung des Ordenskreuzes dient die preußische Königskrone. [[8]]

Das Kreuz der höchsten Stufe des Ordens in Brillanten unterscheidet sich durch den nicht ganz am Zentrum anliegenden Kranz – dieser ist in der Großkomturstufe auch nicht grün emailliert – und durch eine breite Umrandung der Kreuzarme mit Brillanten von Komtur- und Ritterkreuz. Bis auf die Kreuzarme sind sowohl Überhöhung als auch Kreuz mit Brillanten geschmückt. [[9]]

Ab dem 18. Oktober 1861 gehörte durch eine Erweiterungsurkunde der Statuten durch Wilhelm I. zur Auszeichnung ab der Stufe Komtur neben dem Kreuz auch ein Stern. Der Bruststern der Großkomture in Brillanten ähnelt stark der Vorderseite des Großkomturkreuzes, die Kreuzarme sind jedoch nicht in Brillanten eingefasst. Zudem ist der Korpus durch 8 brillantierte Strahlen umschlossen.

Die Verleihung der höchsten Stufe dieses gewichtigen preußischen Ordens, der hierarchisch an dritter Stelle nach Schwarzem und Rotem Adlerorden einzuordnen ist, war dem Reichskanzler allerdings nicht sonderlich wichtig, dem nach eigener Aussage „ein Faß guten alten Rheinweins oder ein gutes Pferd viel lieber gewesen“ wäre. [[10]] Auch wenn sich Otto von Bismarcks Wertschätzung dieser Dekoration in Grenzen hielt, verleiht dieses außergewöhnliche Exponat einer der Vitrinen des Bismarck-Museums doch einen besonderen Glanz.



[1] Als „Sedantag“ wurde der Jahrestag der gewonnen Schlacht von Sedan am 2. September 1870 bezeichnet, der ab 1873 als „halboffizieller Nationalfeiertag“ begangen wurde. Der Tag galt seit dem Einzug der siegreichen Truppen in Berlin als „nationaler Erinnerungstag“ an den Krieg gegen Frankreich. Der militärisch-monarchische Aspekt der Feierlichkeiten überwog allerdings stark die Erinnerung an den Friedenschluss und wurde von kaiserlicher Seite nie als offizieller Nationalfeiertag proklamiert. Vgl. Arndt, Ludwig; Müller-Wusterwitz, Nikolaj: Die Orden und Ehrenzeichen des Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck, Offenbach 2008, S. 196; Vogel, Jakob: Nationen im Gleichschritt. Der Kult der ´Nationen in Waffen´ in Deutschland und Frankreich, 1871-1914, Göttingen 1997, S. 144ff.

[[2]] Arndt; Müller-Wusterwitz, S. 196.

[[3]] http://ordensmuseum.de/historische-oe/der-konigliche-hausorden-von-hohenzollern/; aufgerufen am 21.02.2014.

[[4]] Siehe Fußnote [3].

[[5]] Das Ruppert-Kreuz ist ein Templerkreuz, welches sich von diesem nur durch die konvexen, d. h. die gewölbten Kreuzarmenden unterscheidet. Vgl. Scharfenberg, Gerd; Thiede, Günter: Lexikon der Ordenskunde. Von Adlerschild bis Zitronenorden, Regenstauf 2010, S. 475.

[[6]] Arndt; Müller-Wusterwitz, S. 27.

[[7]] http://ordensmuseum.de/historische-oe/der-konigliche-hausorden-von-hohenzollern/; aufgerufen am 21.02.2014.

[[8]] Arndt; Müller-Wusterwitz, S. 27.

[[9]] Ebd. S. 198.

[[10]] Ebd. S. 199.

 

 

Teller

Deutschland, 1914

Steingut

Inventar-Nr.: O 1997-0040

 

Mit den Kriegserklärungen an das Russische Reich (1. August 1914) und an Frankreich (3. August 1914) wurde auch das Deutsche Reich Teilnehmer an einem militärischen Kräftemessen, das noch mehr als vier Jahre dauern und an dessen Ende der Untergang von vier stolzen Imperien und eines ganzen Zeitalters stehen sollte. Noch heute sind die Folgen des Ersten Weltkrieges spürbar, jedoch ist vor allem in Deutschland die kollektive Erinnerung daran durch die traumatischen Ereignisse NS-Herrschaft, Holocaust und Zweiter Weltkrieg weitgehend verdrängt worden.


Nach Kriegsbeginn begannen die Porzellanmanufakturen in Deutschland mit der massenhaften Herstellung von patriotischem Geschirr. Solches war auch schon in Friedenszeiten produziert worden, häufig als Erinnerungsstücke an Monarchen oder militärische Einheiten. Zu den genutzten patriotischen Motiven gehörten Porträts Kaiser Wilhelms II. sowie der Herrscher der mit dem Deutschen Reich verbündeten Staaten, aber auch Darstellungen von Staatsmännern wie Otto von Bismarck und von siegreichen Feldherren wie Paul von Hindenburg. Ebenso wurden Szenen mit Soldaten und anderes dargestellt. Insbesondere das von Wilhelm II. mit Kriegsbeginn gestiftete Eiserne Kreuz fand als Dekor vielfach Verwendung auf Tellern und Tassen.


Im Sammlungsbestand der Otto-von-Bismarck-Stiftung findet sich unter anderem ein tiefer Teller mit einer am Rand laufenden erhabenen Aufschrift in grüner Frakturschrift ("Wir Deutsche fürchten Gott – Sonst nichts auf der Welt"), unterbrochen von zwei schwarzen Eisernen Kreuzen. In der Mitte des Tellers findet sich ein Eichenlaubkranz, darin ein Eisernes Kreuz mit Krone, der Initiale "W" für „Wilhelm II.“ und der Jahreszahl 1914. Das verkürzte Zitat bezieht sich auf eine Rede Otto von Bismarcks im Reichstag vom 6. Februar 1888.


Gebrauchsgegenstände wie Tassen, Teller und anderes mit patriotischen Motiven sollten die innere Geschlossenheit und den Durchhaltewillen der Bevölkerung festigen; somit waren sie Bestandteil einer umfangreichen Kriegspropaganda, die sich bis in das Alltagsleben der Menschen auswirkte. Gleichzeitig dienten solche Gegenstände der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg. Erwerb und Nutzung bzw. Präsentation solchen Geschirrs, z. B. als Wandteller, zeigte die patriotische und monarchische Gesinnung der Besitzer.

 

Objekt: Großkreuz des Sankt Stephans-Ordens mit Brillanten (Bruststern, Kleinod und Schulterband)

Material: Silber, Gold, Email, Brillanten, Smaragde, Textil

Maße: Bruststern (93 x 89 x 25 mm), Kleinod (86 x 48 x 13 mm), Schulterband (105 x 850 mm)

Inventar-Nr. A O 010 a – c

 

Foto: András Dabasi (Hungarian National Museum)

Zu den zahlreichen in- wie ausländischen Auszeichnungen Otto von Bismarcks gehört auch das Großkreuz mit Brillanten des St. Stephans-Ordens (vollständige Bezeichnung: Königlich Ungarischer Hoher Ritterorden vom Heiligen Stephan, dem Apostolischen König). Der am 5. Mai 1764 von Kaiserin Maria Theresia gestiftete Orden war die höchste zivile Auszeichnung des Königreichs Ungarn. Der Stiftungstag war gleichzeitig der Tag der Krönung ihres Sohnes Josephs (II.) zum Römischen König. Die Statuten des Ordens sind auf den Tag nach der Krönung Josephs (II.) datiert. Großmeister des Ordens war der ungarische Monarch, Ordensprälat war der Erzbischof von Gran und Ordenskanzler der Kanzler des Königreichs Ungarn.

 

Verliehen wurde die Auszeichnung an hundert Ordensritter in drei Klassen: Großkreuz (20), Kommandeur (30), Ritter (50). Der 20. August (St. Stephanstag) war der Festtag des Ordens. Mit dessen Verleihung waren ggfs. besondere Privilegien verbunden. Der Orden konnte nur an Adelige verliehen werden. Der ungarische Reichsverweser Miklós Horthy erneuerte den Orden im Jahr 1938, er wurde jedoch nur drei Mal verliehen.

 

Die Auszeichnung besteht aus dem Bruststern, dem Kleinod sowie dem Schulterband. Der mit Brillanten geschmückte und insgesamt achtundvierzig Strahlen versehene Bruststern besteht in der Mitte aus einem rot emaillierten Medaillon. Auf diesem findet sich das aus Edelsteinen geformte ungarische Wappen. Es handelt sich dabei um das ungarische Doppelkreuz (Patriarchenkreuz), in einer Krone stehend, auf einem grünen Dreiberg (Hügel mit drei Wölbungen). Flankiert wird das Wappen durch die aus Edelsteinen bestehenden Initialen „M“ und „T“ (für Maria Theresia). Das Medaillon ist mit einem Kranz aus weißen Edelsteinen sowie einem doppelten Eichenlaubkranz aus Smaragden umgeben.

 

Die grün emaillierten Arme des Tatzenkreuzes (Kleinod) sind mitsamt den Scharnierteilen sowie der mit dem Kreuz verbundenen goldenen Stephanskrone ebenfalls mit Brillanten besetzt. Das Medaillon in der Mitte des Kleinods ist so gestaltet wie beim Bruststern, doch ist das Medaillon hier nicht mit einem Ring aus Edelsteinen umgeben, sondern mit der in Goldschrift versehenen Devise „ PUBLICUM MERITORUM PRAEMIUM“ (öffentliche Belohnung der Verdienste). Auf der Rückseite des Medaillons erinnern die Kürzel „STO. STRI. AP.“ (Sancto Stephano regi apostolico – dem heiligen apostolischen König Stephan) an den Namensgeber des Ordens, den ungarischen König Stephan I. den Heiligen.

 

Zum Bruststern und dem Kleinod gehört ein purpurfarbenes Schulterband mit grünen Rändern, das über der rechten Schulter zu tragen war. Es existierte eine spezielle Ordenskleidung, die aus einem grünen Samtmantel mit karmesinroter Taftfütterung und Hermelinbesatz, einem goldverzierten roten Unterkleid sowie einem federgeschmückten Hut bestand.

 

Das Großkreuz des Sankt Stephans-Ordens mit Brillanten wurde Otto von Bismarck am 5. September 1872 von Kaiser Franz Joseph I. von Österreich-Ungarn verliehen und befindet sich bis heute im Besitz der Familie von Bismarck.

 

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