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Bismarck, der Esel

Geschrieben von Conwebia am Donnerstag, den 13. Oktober 2011 um 06:49 Uhr

Dass die Beschäftigung mit Geschichte eher schal sei und kaum zur Unterhaltung tauge, ist ein weit verbreitetes Klischee, das sich im Übrigen seit jeher vor allem in jüngeren Generationen hält und an dem die Profession sicher nicht ganz unschuldig ist. Seit geraumer Zeit bemühen sich die Massenmedien - kommerziell erfolgreich, inhaltlich aber nicht immer unumstritten - diesem Bild publikumswirksam entgegenzuwirken. So auch aktuell das etablierte ZDF-Wissensformat "terra x", das Hape Kerkeling für einen sechsteiligen, je 45minütigen Parforceritt durch die Weltgeschichte gewinnen konnte. Kann man, muss man aber nicht gut finden...

Interessant ist in jedem Fall die von Kerkeling im Vorfeld der Ausstrahlung erzählte kleine Anekdote über einen älteren Ägypter, dem der Moderator vor der Djoser-Pyramide begegnete und der ihm seinen auf den Namen Bismarck hörenden Esel vorstellte. Im Gegensatz zum eher zweifelhaften Ruf dieses Unpaarhufers in unseren Breiten und seiner synonymen Verwendung zur Umschreibung eines Dummkopfes, Trottels, Sturrkopfes und dergleichen mehr, lässt sich in Nordafrika und der arabischen Halbinsel eine frühe religiöse Verehrung dieses doch eigentlich braven und sympathischen tierischen Zeitgenossen nachweisen - womit sich der Kreis des Mythos Bismarck wieder schließen ließe.

Wenn Sie im deutschen Sprachraum auf einen gleichnamigen Esel stoßen, lassen Sie es uns bitte wissen - dann sieht die Sache natürlich gaaanz anders aus!

Kommen Sie in die Altmark!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 11. Oktober 2011 um 09:02 Uhr

Der Herbst hat  allerorten Einzug gehalten und das Wetter lädt eigentlich nicht mehr zu größeren Reisen ein. Aber gerade nach diesem Sommer hält auch die kühlere Jahreszeit mit dem Indian Summer Reize bereit, die zu einer Verlängerung des heimatlichen Herbstspaziergangs anregen. Zum Beispiel in die Altmark! Besuchen Sie uns doch in Schönhausen im Bismarckmuseum und lassen Sie sich auf Ihrer Fahrt bei hoffentlich sonnigen Momenten zu poetischen Gedanken animieren, wie sie schon der junge Otto von Bismarck im September 1849 aus Berlin an seine Frau schrieb:

"Gestern war weiches, warmes Herbstwetter, und ich habe einen langen Spaziergang im Tiergarten gemacht, dieselben einsamen Wege, die wir beide zu wandeln pflegten. (...) Der schöne große Ahorn ist schon dunkelrot in seinen Blättern (...) und die runden Kuppeln der Kastanien bieten alle Schattierungen des trüben und anziehenden herbstlichen Farbenspiels."

Haben Sie Lust bekommen? Dann suchen Sie doch einfach noch einige Reisepunkte in der kleinen Reportage aus und dann nichts wie los in die Altmark!

Auf dem ländlichen Herbstbild qualifizieren sich übrigens Jungbauern aus dem Bezirk Leipzig im September 1961 auf der Maschinen- und Traktorenstation Cröbern beim Pflügen von 20 Ar für den Republikausscheid im Leistungspflügen der Jugend. Dieser fand dann im Oktober 1961, zwei Monate nach dem Mauerbau, in Otto von Bismarcks Geburtsort Schönhausen statt.

Seit September ist Band 6 der Abteilung Schriften der Neuen Friedrichsruher Ausgabe im Buchhandel erhältlich. Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung hat darin die 563 wichtigsten von mehr als 3000 von ihm eruierten Schriftstücke aus der Feder des Reichskanzlers zum Abdruck gebracht. Auf 855 Seiten kann sich der Leser ein Bild von der außen- und innenpolitischen Regierungsarbeit Bismarcks in den Jahren 1884/85 machen. Rudolf Morsey, der Altmeister neuzeitlicher Quelleneditionen, hat die kritische Edition in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung besprochen.

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Inszenierter Glanz: Vortrag über die britische Monarchie

Geschrieben von Conwebia am Freitag, den 30. September 2011 um 11:02 Uhr

Die große Adelshochzeit zwischen Prinz William und Kate Middleton am 29. April 2011 hat es wieder einmal gezeigt: Die Sehnsucht nach monarchischem Glamour scheint auch in Deutschland noch immer weiter verbreitet. Die Faszination, die vom Buckingham Palace bis heute weit über die britischen Grenzen ausgeht, ist nicht zuletzt auf die zwischen 1837 und 1901 regierende Queen Victoria zurückzuführen, deren Amtszeit einer ganzen Epoche den Namen gab.

Unter dem Titel "Eine perfekte Inszenierung? Die britische Monarchie von Queen Victoria bis Elisabeth II." spricht am Donnerstag, den 6. Oktober, um 19.30 Uhr, die in Cambridge lehrende Privatdozentin Dr. Karina Urbach in der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh. Urbach wurde einem breiten Publikum als Fernsehexpertin bekannt, die für das ZDF die jüngste Hochzeit im englischen Königshaus co-kommentierte. Wie immer ist der Eintritt zu dieser interessanten und sicher auch unterhaltsamen Vortragsveranstaltung frei!

Lady Gaga, Porsche 911 und Angela Merkel

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 28. September 2011 um 11:12 Uhr

Wenn man deutsche Auszubildende über ihre Interessengebiete befragen würde, kämen aus dem Mund der durchschnittlich 20jährigen sicherlich Stichworte aus den Gebieten Musik, Film, Sport, Autobil usw., kurz: aus Popkultur und Kommerz. Für diese Vermutungen, so ist anzunehmen, muß nicht einmal die regelmäßig erscheinende Shell-Jugendstudie herangezogen werden, die über Einstellung und Lebenssituation Jugendlicher Auskunft gibt. Keine historischen Figuren, Lieblingsschriftsteller oder - komponisten würden wohl genannt werden, sondern eher Antworten aus den Bereichen: Wer ist der faszinierendste Gegenwartskünstler? Das begehrteste Auto? Der bekannteste Politiker? Der beste Bayernspieler? Die wenig tiefgründigen Antworten kann man sich denken, in der Überschrift sind sie erraten. Sie scheinen das Sokrates in den Mund gelegte Zitat von der "heutigen Jugend" zu stützen, die den Luxus liebt, schlechte Manieren hat, die Autorität verachtet, ihren Eltern widerspricht, die Beine übereinanderlegt und die Eltern tyrannisiert. Früher war alles besser, stöhnt man dann und sollte doch genau in diesem Moment einen Artikel aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 19. Juli 1956 in die Hand nehmen und, an Sokrates denkend, sagen: Nix war besser!

Ohne Bismarck!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Donnerstag, den 22. September 2011 um 06:25 Uhr

Sammelbände über deutsche Politiker, Unternehmer oder Militärs des 19. Jahrhunderts werden in den letzten Jahren immer wieder angekündigt und erfreuen sich auch über den Kreis der Fachistoriker hinaus der Aufmerksamkeit auch bei einem breiteren, historisch interessierten Publikum. Ähnlich dürfte es auch den hier zu nennenden Buch gehen, das Aufsätze einer Braunschweiger Vortragsreihe versammelt, die dort im Jahr  2007 von der "Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 19. Jahrhunderts" veranstaletet wurde. Matthias Stickler geht in seiner Rezension auf die nicht leicht zu durchschauende Auswahl der biographisch Porträtierten ein (Justus Liebig, Caspar David Friedrich, Ida Pfeiffer, Leopold von Sacher-Masoch u.a.). Tatsächlich ist die "Mischung aus berühmten Persönlichkeiten und ungewöhnlichen Charakteren" (S. 8) erfrischend. Aus Sicht der am ganzen 19. Jahrhundert interessierten Bismarck-Forschung darf man Sticklers Besprechung noch hinzufügen: Endlich mal kein Moltke, Treitzschke,  Weber, Mommsen, Stoecker, Beust, Richter, Windthorst, Radowitz, Gerlach, Lenbach usw. Und eben auch kein Bismarck!

Vortrag über den Bau der Berliner Mauer

Geschrieben von Conwebia am Montag, den 19. September 2011 um 12:47 Uhr

Er zählt zu den einschneidensten Ereignissen der deutschen und europäischen Nachkriegsgeschichte: Der Bau der Berliner Mauer, der vor 50 Jahren in der Nacht zum 13. August 1961 begann. Die Sektorengrenze zwischen Ost- und West-Berlin wurde innerhalb kurzer Zeit abgeriegelt, die Teilung Deutschlands damit im Wortsinne über fast dreißig Jahre zementiert. Der Innsbrucker Historiker Rolf Steininger hat auf der Grundlage bislang unbekannter Dokumente aus amerikanischen, britischen und deutschen Archiven die Ereignisse im Umfeld des Mauerbaus intensiv untersucht. In seinem Vortrag wird er seine neuen Erkenntnisse berichten und dabei ein besonders kritisches Augenmerk auf die Rolle der Westmächte in dieser Frage werfen.

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung lädt geschichtsinteressierte Zuhörerinnen und Zuhörer zu dieser Vortragsveranstaltung für Donnerstag, den 22.09.2011, 19.30 Uhr, sehr herzlich ein. Der Eintritt ist frei!

Bildnachweis: Bundesarchiv, Koblenz.

 

 

Bismarck - mal anders gelesen

Geschrieben von Conwebia am Freitag, den 16. September 2011 um 13:34 Uhr

Wir kennen Otto von Bismarck gemeinhin als den "Eisernen", den "Reichsschmied", den "Mann von Eisen von Blut", nicht selten in monumentaler Form noch heute in vielen Weichbildern deutscher Städte nachzuspüren. Den Auswirkungen seiner Politik nähern sich nicht wenige Menschen heute mit mehr oder weniger ausgeprägtem Unbehagen.  Aber es gehört zu dieser "denkbar interessantesten Figur" (Theodor Fontane), zu seinen vielen, mitunter überraschenden Facetten, dass er insbesondere in der Korrespondenz mit seiner Frau Johanna, in der Zeit der späten 1840er Jahre zumal, mitunter ganz andere persönliche Seiten offenbarte. Zärtlich, spöttisch, witzig, romantisch... Ist es übertrieben, Ihn als einen bemerkenswerten literarischen Stilisten zu bezeichnen? An dieser Stelle möchten wir Ihnen den ersten erhaltenen Brief an seine Braut Johanna vom 1. Februar 1847 zeigen, der eine Serie von auch heute noch lesenswerten Schreiben an seine schließlich am 28. Juli 1847 geheiratete Gattin einläutet. Lesen wir in Auszügen hinein:

"Schönhausen 1 Febr. 1847. Ich hatte nur auf Licht gewartet, um Dir, mein theures Herz, zu schreiben, und mit dem Licht kam auch Deine kleine grüne Spirituslampe, um mein lauwarmes Wasser zum Sieden zu bringen, fand es aber diesmal schon dicht am Überkochen. Dein Mitleid in meinen unruhigen Nächten ist für jetzt noch vorzeitig; ich werde es Dir aber doch anrechnen. Die Elbe liegt noch trüb und mürrisch in ihren Eisbanden; des Frühlings Ruf, sie zu sprengen, ist ihr noch nicht laut genug. Ich sage zu dem Wetter "ach daß du kalt oder warm wärst, aber du stehst fortwährend auf 0", und so kann sich die Sache in die Länge ziehn; meine Thätigkeit beschränkt sich für jetzt darauf, von dem warmen Platz am Schreibtisch her allerhand Beschwörungsformeln in die Welt zu schicken, durch deren Zauber sich Massen von Faschinen, Brettern, Handkarren und manure aus dem Innern des Landes gegen die Elbe hin bewegen, um sich dort vorkommenden Falls als prosaischer Damm dem poetischen Schäumen der Fluth entgegenzustellen. Nachdem ich den Vormittag mit diesen mehr nützlichen als angenehmen Correspondenzen zugebracht habe, war mein Entschluß, den Abend mit Dir, beloved one, behaglich zu verplaudern, als ob wir Arm in Arm im Sopha des rothen Saales säßen, und in sympathischer Aufmerksamkeit hat die Post mir Deinen Brief, den ich von Rechtswegen vorgestern hätte erhalten müssen, gerade zu dieser Plauderstunde aufgehoben. Du weißt, wenn Du meinen unverantwortlich geschmierten Zettel aus Schlawe hast lesen können, wie ich dort auf einen etwas angetrunknen Schwarm von Husarenoffizieren stieß, der mich im Schreiben störte. In der Post hatte ich nach meinem gewöhnlichen Unstern eine Dame vis-à-vis und zwei der breitesten Passagiere in viel Pelz neben mir, von denen der nächste obenein Abrahams directer Nachkomme war und mich durch unbehagliche Beweglichkeit seines linken Ellenbogens in eine bittre Stimmung gegen alle seine Stammverwandte brachte. Meinen Bruder fand ich im Schlafrock, und seiner Gewohnheit nach benutzte er die 5 Minuten unsrer entrevue sehr vollständig, um einen Wollsack voll verdrießlicher Nachrichten aus Kniephof vor mir auszuleeren; liederliche Inspectoren, Massen crepirter Schaafe, täglich trunkne Brenner, verunglückte Vollblutfohlen (natürlich das schönste) und faule Kartoffeln stürzten in rollendem Strudel aus seinem bereitwillig geöffneten Munde auf mein etwas postmüdes Selbst. Ich muß mir für meinen Bruder ausdrücklich einige Ausrufungen des Schreckens und der Klage zulegen; denn mein gleichmüthiges Äußere bei Unglücksposten verdrießt ihn, und so lange ich mich nicht wundre, hat er immer neue und immer schlimmere Nachrichten in Vorrath. (...) Heut fiel den ganzen Tag der Schnee sehr emsig, und das Land ist wieder weiß, ohne Frost. Als ich eintraf, war diesseit Brandenburg alles frei von Schnee, die Luft war warm, und die Leute pflügten; es war, als wenn ich vom Winter in den Frühlingsanfang gereist wäre, und in mir war doch der kurze Frühling Winter geworden; je näher ich Schönhausen kam, desto drückender war mir der Gedanke, auf wer weiß wie lange wieder in die alte Einsamkeit zu treten. Die Bilder wüster Vergangenheit stiegen in mir auf, als wollten sie mich von Dir fortdrängen. (...) Beim Einfahren in das Dorf fühlte ich, wohl nie so deutlich, wie schön es ist, eine Heimath zu haben, und eine Heimath, mit der man durch Geburt, Erinnerung und Liebe verwachsen ist. Die Sonne schien hell auf die stattlichen Bauernhöfe, und ihre wohlhäbigen Bewohner mit den langen Röcken und die bunten Weiber mit den kurzen grüßten mich noch viel freundlicher als gewöhnlich; auf jedem Gesicht schien ein Glückwunsch zu liegen, der mir stets zu einem Dank gegen Dich wurde. (...) Du kannst glücklicher Weise nicht beurtheilen, mein Herz, mit welcher trostlosen Stumpfheit ich früher nach einer Reise mein Haus betrat, welche Niedergeschlagenheit sich meiner bemächtigte, wenn mich die Thür meines Zimmers angähnte und das stumme Geräth in den lautlosen Räumen mir, gelangweilt wie ich selbst, gegenüberstand. Nie wurde mir die Öde meines Daseins deutlicher als in solchen Augenblicken, bis ich dann ein Buch ergriff, von denen mir keines trüb genug war, oder mechanisch an irgend ein Tagewerk ging. Am liebsten kam ich des Nachts zu Haus, um gleich zu schlafen. Ach Gott und nun? Wie betrachte ich alles mit andern Augen; nicht bloß, was Dich und weil es Dich mitbetrifft oder mitbetreffen wird, (obschon ich mich seit 2 Tagen damit quäle, wo Dein Schreibtisch stehn wird), sondern meine ganze Lebensanschauung ist eine neue, und selbst Deich- und Polizei-Geschäfte betreibe ich mit Heiterkeit und Theilnahme. Die Änderung, dieses neue Leben danke ich nächst Gott Di, ma très-chère, mon adorée Jeanneton, die Du nicht als Spiritusflamme an mir gelegentlich kochst, sondern als erwärmendes Feuer in meinem Herzen wirkst. (...)

> seufz < Passen solche Zeilen auf ein Handy-Display?