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Vortrag am 27.10: Mythos Befreiungskrieg

Geschrieben von Conwebia am Montag, den 24. Oktober 2011 um 05:29 Uhr

Als die Französische Revolution Europas Throne ins Wanken und Napoleon an die Macht brachte, bedeutete das für die Zeitgenossem vor allem im deutschen Süden uznd Südwesten eines: den permanenten Kriegszustand. Truppen aus aller Herren Länder machten diese Regionen zum Kriegsschauplatz. Einquartierungen und Durchmärsche, Plünderungen und Requisitionen, Seuchen und wirtschaftliche Not brachten die Einwohner an die Grenzen ihrer Leistungs- und Leidenskraft.

Ausgehend von Beobachtungen in verschiedenen Regionen Deutschlands zeigt die Referentin Prof. Dr. Ute Planert, wie sich der Krieg, seine Wahrnehmung und seine Bedeutung nach 1815 in den Köpfen veränderten und wie die einzelnen deutschen Staaten, insbesondere die ehemaligen Rheinbundstaaten, ihre Vergangenheit neu erfanden. Nach 1815 setzte man alles daran, die nun unzeitgemäß jüngste Vergangenheit - man hatte teilweise zu den Verbündeten gehört - in den neuen nationalen Mythos vom Befreiungskrieg zu integrieren.

Prof. Dr. Ute Planert lehrt Geschichte an der Universität Wuppertal. Vor allem durch ihre zahlreichen Veröffentlichungen zum Thema Krieg und Umbruch in Europa um 1800 gilt sie als die wichtigste Expertin der Zeit der Befreiungskriege. Einem breiten Publikum wurde sie durch die TV-Dokumentation "Die Deutschen" des ZDF bekannt. Die Vortragsveranstaltung findet statt am 27. Oktober, 19.30 Uhr, im Veranstaltungsraum der Stiftung. Wie immer ist der Eintritt frei!

Fortsetzung der Reihe Bahnhofskino "Historienfilm": Der Leopard.

Geschrieben von Conwebia am Dienstag, den 18. Oktober 2011 um 07:59 Uhr

Die Otto-von-Bismarck-Stiftung zeigt im Rahmen der Reihe Bahnhofskino am Mittwoch, den 19. Oktober 2011 das filmische Meisterwerk "Der Leopard" von 1962. Das vielfach preisgekrönte Werk von Luchino Vischonti, nach der Romanvorlage von Giuseppe Tomasi de Lampedusa, lässt die Zeit der italienischen Befreiungskämpfe im 19. Jahrhundert wieder aufleben, in der die Macht des süditalienischen Adels gebrochen und der Weg in den Nationalstaat geebnet wurde. In der Rolle des Fürsten von Salina glänzt Burt Lancaster, an seiner Seite spielen unter anderen Alain Delon und Claudia Cardinale.

Wegen der Überlänge des Films wird eine Pause von etwa 15 Minuten angeboten.

Beginn im Stiftungsgebäude, Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh, ist 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Bismarck, der Esel

Geschrieben von Conwebia am Donnerstag, den 13. Oktober 2011 um 06:49 Uhr

Dass die Beschäftigung mit Geschichte eher schal sei und kaum zur Unterhaltung tauge, ist ein weit verbreitetes Klischee, das sich im Übrigen seit jeher vor allem in jüngeren Generationen hält und an dem die Profession sicher nicht ganz unschuldig ist. Seit geraumer Zeit bemühen sich die Massenmedien - kommerziell erfolgreich, inhaltlich aber nicht immer unumstritten - diesem Bild publikumswirksam entgegenzuwirken. So auch aktuell das etablierte ZDF-Wissensformat "terra x", das Hape Kerkeling für einen sechsteiligen, je 45minütigen Parforceritt durch die Weltgeschichte gewinnen konnte. Kann man, muss man aber nicht gut finden...

Interessant ist in jedem Fall die von Kerkeling im Vorfeld der Ausstrahlung erzählte kleine Anekdote über einen älteren Ägypter, dem der Moderator vor der Djoser-Pyramide begegnete und der ihm seinen auf den Namen Bismarck hörenden Esel vorstellte. Im Gegensatz zum eher zweifelhaften Ruf dieses Unpaarhufers in unseren Breiten und seiner synonymen Verwendung zur Umschreibung eines Dummkopfes, Trottels, Sturrkopfes und dergleichen mehr, lässt sich in Nordafrika und der arabischen Halbinsel eine frühe religiöse Verehrung dieses doch eigentlich braven und sympathischen tierischen Zeitgenossen nachweisen - womit sich der Kreis des Mythos Bismarck wieder schließen ließe.

Wenn Sie im deutschen Sprachraum auf einen gleichnamigen Esel stoßen, lassen Sie es uns bitte wissen - dann sieht die Sache natürlich gaaanz anders aus!

Kommen Sie in die Altmark!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 11. Oktober 2011 um 09:02 Uhr

Der Herbst hat  allerorten Einzug gehalten und das Wetter lädt eigentlich nicht mehr zu größeren Reisen ein. Aber gerade nach diesem Sommer hält auch die kühlere Jahreszeit mit dem Indian Summer Reize bereit, die zu einer Verlängerung des heimatlichen Herbstspaziergangs anregen. Zum Beispiel in die Altmark! Besuchen Sie uns doch in Schönhausen im Bismarckmuseum und lassen Sie sich auf Ihrer Fahrt bei hoffentlich sonnigen Momenten zu poetischen Gedanken animieren, wie sie schon der junge Otto von Bismarck im September 1849 aus Berlin an seine Frau schrieb:

"Gestern war weiches, warmes Herbstwetter, und ich habe einen langen Spaziergang im Tiergarten gemacht, dieselben einsamen Wege, die wir beide zu wandeln pflegten. (...) Der schöne große Ahorn ist schon dunkelrot in seinen Blättern (...) und die runden Kuppeln der Kastanien bieten alle Schattierungen des trüben und anziehenden herbstlichen Farbenspiels."

Haben Sie Lust bekommen? Dann suchen Sie doch einfach noch einige Reisepunkte in der kleinen Reportage aus und dann nichts wie los in die Altmark!

Auf dem ländlichen Herbstbild qualifizieren sich übrigens Jungbauern aus dem Bezirk Leipzig im September 1961 auf der Maschinen- und Traktorenstation Cröbern beim Pflügen von 20 Ar für den Republikausscheid im Leistungspflügen der Jugend. Dieser fand dann im Oktober 1961, zwei Monate nach dem Mauerbau, in Otto von Bismarcks Geburtsort Schönhausen statt.

Seit September ist Band 6 der Abteilung Schriften der Neuen Friedrichsruher Ausgabe im Buchhandel erhältlich. Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung hat darin die 563 wichtigsten von mehr als 3000 von ihm eruierten Schriftstücke aus der Feder des Reichskanzlers zum Abdruck gebracht. Auf 855 Seiten kann sich der Leser ein Bild von der außen- und innenpolitischen Regierungsarbeit Bismarcks in den Jahren 1884/85 machen. Rudolf Morsey, der Altmeister neuzeitlicher Quelleneditionen, hat die kritische Edition in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung besprochen.

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Inszenierter Glanz: Vortrag über die britische Monarchie

Geschrieben von Conwebia am Freitag, den 30. September 2011 um 11:02 Uhr

Die große Adelshochzeit zwischen Prinz William und Kate Middleton am 29. April 2011 hat es wieder einmal gezeigt: Die Sehnsucht nach monarchischem Glamour scheint auch in Deutschland noch immer weiter verbreitet. Die Faszination, die vom Buckingham Palace bis heute weit über die britischen Grenzen ausgeht, ist nicht zuletzt auf die zwischen 1837 und 1901 regierende Queen Victoria zurückzuführen, deren Amtszeit einer ganzen Epoche den Namen gab.

Unter dem Titel "Eine perfekte Inszenierung? Die britische Monarchie von Queen Victoria bis Elisabeth II." spricht am Donnerstag, den 6. Oktober, um 19.30 Uhr, die in Cambridge lehrende Privatdozentin Dr. Karina Urbach in der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh. Urbach wurde einem breiten Publikum als Fernsehexpertin bekannt, die für das ZDF die jüngste Hochzeit im englischen Königshaus co-kommentierte. Wie immer ist der Eintritt zu dieser interessanten und sicher auch unterhaltsamen Vortragsveranstaltung frei!

Lady Gaga, Porsche 911 und Angela Merkel

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Mittwoch, den 28. September 2011 um 11:12 Uhr

Wenn man deutsche Auszubildende über ihre Interessengebiete befragen würde, kämen aus dem Mund der durchschnittlich 20jährigen sicherlich Stichworte aus den Gebieten Musik, Film, Sport, Autobil usw., kurz: aus Popkultur und Kommerz. Für diese Vermutungen, so ist anzunehmen, muß nicht einmal die regelmäßig erscheinende Shell-Jugendstudie herangezogen werden, die über Einstellung und Lebenssituation Jugendlicher Auskunft gibt. Keine historischen Figuren, Lieblingsschriftsteller oder - komponisten würden wohl genannt werden, sondern eher Antworten aus den Bereichen: Wer ist der faszinierendste Gegenwartskünstler? Das begehrteste Auto? Der bekannteste Politiker? Der beste Bayernspieler? Die wenig tiefgründigen Antworten kann man sich denken, in der Überschrift sind sie erraten. Sie scheinen das Sokrates in den Mund gelegte Zitat von der "heutigen Jugend" zu stützen, die den Luxus liebt, schlechte Manieren hat, die Autorität verachtet, ihren Eltern widerspricht, die Beine übereinanderlegt und die Eltern tyrannisiert. Früher war alles besser, stöhnt man dann und sollte doch genau in diesem Moment einen Artikel aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 19. Juli 1956 in die Hand nehmen und, an Sokrates denkend, sagen: Nix war besser!

Ohne Bismarck!

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Donnerstag, den 22. September 2011 um 06:25 Uhr

Sammelbände über deutsche Politiker, Unternehmer oder Militärs des 19. Jahrhunderts werden in den letzten Jahren immer wieder angekündigt und erfreuen sich auch über den Kreis der Fachistoriker hinaus der Aufmerksamkeit auch bei einem breiteren, historisch interessierten Publikum. Ähnlich dürfte es auch den hier zu nennenden Buch gehen, das Aufsätze einer Braunschweiger Vortragsreihe versammelt, die dort im Jahr  2007 von der "Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 19. Jahrhunderts" veranstaletet wurde. Matthias Stickler geht in seiner Rezension auf die nicht leicht zu durchschauende Auswahl der biographisch Porträtierten ein (Justus Liebig, Caspar David Friedrich, Ida Pfeiffer, Leopold von Sacher-Masoch u.a.). Tatsächlich ist die "Mischung aus berühmten Persönlichkeiten und ungewöhnlichen Charakteren" (S. 8) erfrischend. Aus Sicht der am ganzen 19. Jahrhundert interessierten Bismarck-Forschung darf man Sticklers Besprechung noch hinzufügen: Endlich mal kein Moltke, Treitzschke,  Weber, Mommsen, Stoecker, Beust, Richter, Windthorst, Radowitz, Gerlach, Lenbach usw. Und eben auch kein Bismarck!