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Bismarck - mal anders gelesen

Geschrieben von Conwebia am Freitag, den 16. September 2011 um 13:34 Uhr

Wir kennen Otto von Bismarck gemeinhin als den "Eisernen", den "Reichsschmied", den "Mann von Eisen von Blut", nicht selten in monumentaler Form noch heute in vielen Weichbildern deutscher Städte nachzuspüren. Den Auswirkungen seiner Politik nähern sich nicht wenige Menschen heute mit mehr oder weniger ausgeprägtem Unbehagen.  Aber es gehört zu dieser "denkbar interessantesten Figur" (Theodor Fontane), zu seinen vielen, mitunter überraschenden Facetten, dass er insbesondere in der Korrespondenz mit seiner Frau Johanna, in der Zeit der späten 1840er Jahre zumal, mitunter ganz andere persönliche Seiten offenbarte. Zärtlich, spöttisch, witzig, romantisch... Ist es übertrieben, Ihn als einen bemerkenswerten literarischen Stilisten zu bezeichnen? An dieser Stelle möchten wir Ihnen den ersten erhaltenen Brief an seine Braut Johanna vom 1. Februar 1847 zeigen, der eine Serie von auch heute noch lesenswerten Schreiben an seine schließlich am 28. Juli 1847 geheiratete Gattin einläutet. Lesen wir in Auszügen hinein:

"Schönhausen 1 Febr. 1847. Ich hatte nur auf Licht gewartet, um Dir, mein theures Herz, zu schreiben, und mit dem Licht kam auch Deine kleine grüne Spirituslampe, um mein lauwarmes Wasser zum Sieden zu bringen, fand es aber diesmal schon dicht am Überkochen. Dein Mitleid in meinen unruhigen Nächten ist für jetzt noch vorzeitig; ich werde es Dir aber doch anrechnen. Die Elbe liegt noch trüb und mürrisch in ihren Eisbanden; des Frühlings Ruf, sie zu sprengen, ist ihr noch nicht laut genug. Ich sage zu dem Wetter "ach daß du kalt oder warm wärst, aber du stehst fortwährend auf 0", und so kann sich die Sache in die Länge ziehn; meine Thätigkeit beschränkt sich für jetzt darauf, von dem warmen Platz am Schreibtisch her allerhand Beschwörungsformeln in die Welt zu schicken, durch deren Zauber sich Massen von Faschinen, Brettern, Handkarren und manure aus dem Innern des Landes gegen die Elbe hin bewegen, um sich dort vorkommenden Falls als prosaischer Damm dem poetischen Schäumen der Fluth entgegenzustellen. Nachdem ich den Vormittag mit diesen mehr nützlichen als angenehmen Correspondenzen zugebracht habe, war mein Entschluß, den Abend mit Dir, beloved one, behaglich zu verplaudern, als ob wir Arm in Arm im Sopha des rothen Saales säßen, und in sympathischer Aufmerksamkeit hat die Post mir Deinen Brief, den ich von Rechtswegen vorgestern hätte erhalten müssen, gerade zu dieser Plauderstunde aufgehoben. Du weißt, wenn Du meinen unverantwortlich geschmierten Zettel aus Schlawe hast lesen können, wie ich dort auf einen etwas angetrunknen Schwarm von Husarenoffizieren stieß, der mich im Schreiben störte. In der Post hatte ich nach meinem gewöhnlichen Unstern eine Dame vis-à-vis und zwei der breitesten Passagiere in viel Pelz neben mir, von denen der nächste obenein Abrahams directer Nachkomme war und mich durch unbehagliche Beweglichkeit seines linken Ellenbogens in eine bittre Stimmung gegen alle seine Stammverwandte brachte. Meinen Bruder fand ich im Schlafrock, und seiner Gewohnheit nach benutzte er die 5 Minuten unsrer entrevue sehr vollständig, um einen Wollsack voll verdrießlicher Nachrichten aus Kniephof vor mir auszuleeren; liederliche Inspectoren, Massen crepirter Schaafe, täglich trunkne Brenner, verunglückte Vollblutfohlen (natürlich das schönste) und faule Kartoffeln stürzten in rollendem Strudel aus seinem bereitwillig geöffneten Munde auf mein etwas postmüdes Selbst. Ich muß mir für meinen Bruder ausdrücklich einige Ausrufungen des Schreckens und der Klage zulegen; denn mein gleichmüthiges Äußere bei Unglücksposten verdrießt ihn, und so lange ich mich nicht wundre, hat er immer neue und immer schlimmere Nachrichten in Vorrath. (...) Heut fiel den ganzen Tag der Schnee sehr emsig, und das Land ist wieder weiß, ohne Frost. Als ich eintraf, war diesseit Brandenburg alles frei von Schnee, die Luft war warm, und die Leute pflügten; es war, als wenn ich vom Winter in den Frühlingsanfang gereist wäre, und in mir war doch der kurze Frühling Winter geworden; je näher ich Schönhausen kam, desto drückender war mir der Gedanke, auf wer weiß wie lange wieder in die alte Einsamkeit zu treten. Die Bilder wüster Vergangenheit stiegen in mir auf, als wollten sie mich von Dir fortdrängen. (...) Beim Einfahren in das Dorf fühlte ich, wohl nie so deutlich, wie schön es ist, eine Heimath zu haben, und eine Heimath, mit der man durch Geburt, Erinnerung und Liebe verwachsen ist. Die Sonne schien hell auf die stattlichen Bauernhöfe, und ihre wohlhäbigen Bewohner mit den langen Röcken und die bunten Weiber mit den kurzen grüßten mich noch viel freundlicher als gewöhnlich; auf jedem Gesicht schien ein Glückwunsch zu liegen, der mir stets zu einem Dank gegen Dich wurde. (...) Du kannst glücklicher Weise nicht beurtheilen, mein Herz, mit welcher trostlosen Stumpfheit ich früher nach einer Reise mein Haus betrat, welche Niedergeschlagenheit sich meiner bemächtigte, wenn mich die Thür meines Zimmers angähnte und das stumme Geräth in den lautlosen Räumen mir, gelangweilt wie ich selbst, gegenüberstand. Nie wurde mir die Öde meines Daseins deutlicher als in solchen Augenblicken, bis ich dann ein Buch ergriff, von denen mir keines trüb genug war, oder mechanisch an irgend ein Tagewerk ging. Am liebsten kam ich des Nachts zu Haus, um gleich zu schlafen. Ach Gott und nun? Wie betrachte ich alles mit andern Augen; nicht bloß, was Dich und weil es Dich mitbetrifft oder mitbetreffen wird, (obschon ich mich seit 2 Tagen damit quäle, wo Dein Schreibtisch stehn wird), sondern meine ganze Lebensanschauung ist eine neue, und selbst Deich- und Polizei-Geschäfte betreibe ich mit Heiterkeit und Theilnahme. Die Änderung, dieses neue Leben danke ich nächst Gott Di, ma très-chère, mon adorée Jeanneton, die Du nicht als Spiritusflamme an mir gelegentlich kochst, sondern als erwärmendes Feuer in meinem Herzen wirkst. (...)

> seufz < Passen solche Zeilen auf ein Handy-Display?

Die Attraktivität des 19. Jahrhunderts...

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 13. September 2011 um 06:40 Uhr

Was wir schon immer wußten: Das 19. Jahrhundert als Epoche verdient einfach eine größere Aufmerksamkeit. Jetzt zieht es sogar einen journalistischen Protagonisten der Gegenwart ins Zeitalter Bismarcks. Herzlichen Glückwunsch an Florian Illies für seine neue Aufgabe, in der er Multiplikator für die Breitenwirkung auch der Jahrzehnte von Biedermeier bis Jugenstil sein wird!

Tag des offenen Denkmals: Ein Bahnhof und seine Geschichte

Geschrieben von Conwebia am Freitag, den 09. September 2011 um 13:33 Uhr

Er zählt zu den ältesten, noch im Ursprungszustand erhalten Bahnhöfen Deutschlands. Er stellt gleichzeitig ein besonders gelungenes Beispiel für die Umnutzung eines als Empfangsgebäude bedeutungslos gewordenen Baudenkmals dar. Und doch ist seine wechselvolle Geschichte heute kaum noch bekannt: Die Rede ist vom 1846 an der Eisenbahnstrecke von Berlin nach Hamburg errichtete Bahnhof in Friedrichsruh, inmitten des Sachsenwaldes. Heute Sitz der bundeseigenen Otto-von-Bismarck-Stiftung, ist er bei den meisten Menschen nur als „Bismarcks Bahnhof“ präsent, obwohl der in Friedrichsruh ansässige Reichskanzler das Gebäude selbst nicht genutzt hat. Wissenswertes und Amüsantes aus der Geschichte des bedeutenden kulturhistorischen Stationsgebäudes berichtet im Rahmen des „Tages des offenen Denkmals“ Stiftungsmitarbeiter Dr. Andreas von Seggern am Sonntag, den 11. September, um 11 Uhr, im Vortragssaal des Bahnhofs. Der Eintritt ist frei!

Bismarck-eting

Geschrieben von Conwebia am Montag, den 05. September 2011 um 05:21 Uhr

Wolfenbüttel, die reizvolle Stadt unweit des Harzes, verbunden mit dem Namen Lessing, berühmt für die herausragende Herzog-August Bibliothek, im Herbst vergangenen Jahres. Am Rande eines Seminares der Bundesakademie für kulturelle Bildung unter dem Titel "Zeitläufte. Wie man Geschichte gegenwärtig macht" schlendern die Referenten Grünewald-Steiger, Kutzmutz und von Seggern durch die überschaubare Innenstadt. Dann die Überraschung auf dem Marktplatz: Otto von Bismarck als Werbeikone, in diesem Falle für ein vor dem Hintergrund seiner privaten Vorlieben durchaus naheliegendes Produkt. Benedikt Erenz, Ressortleiter Geschichte der Hamburger ZEIT und Gastreferent des Seminars, glossierte die verblüffende Entdeckung nur wenig später in seiner ebenfalls "Zeitläufte" betitelten Kolumne:

"Schade, dass die lieben Kollegen von der Werbung historische Dekors und Anspielungen so ganz vergessen haben. Wir erinnern uns jedenfalls gern an das Bild des französischen Offiziers, der anno 1794 durch Kölns Glockengasse reitet, die Häuser nummeriert und mit dem Kohlestift - vom Sattel aus - die magische No. 4711 an die Fassade malt. Von 1949 bis in die Achtziger paradierte er in Tausenden Anzeigen und Werbefilmen auf seinem Schimmel für die Firma Mühlhens und 4711. Heute kündigt das Hamburger Möbelhaus Die Wäscherei sein neues Duftwässerchen zum neuen Vertiko so an: "The new fragrance by die wäscherei". Das kann nix gut gehen. Wie sich hingegen historisch anspielungsreich immer noch zielgenau und geschmacksfrisch werben lässt, zeigt die ebenso schicke wie scharmante Imbissbude Mecky am Markt von Wolfenbüttel: "Was Bismarck unter den Fürsten, ist Mecky's Wurst unter den Würsten!" Cool."

Sie machen vergleichbare kuriose Entdeckungen? Dann sind wir für jeden Hinweis dankbar!

Vielen Dank an Dr. Olaf Kutzmutz für das Bild.

Straßenimpression aus Friedrichsruh

Geschrieben von Conwebia am Freitag, den 05. August 2011 um 10:10 Uhr

Ja, liebe Nutzer, das Sommerloch macht auch vor Friedrichsruh nicht halt. Die weitgehend Veranstaltungs-freie Zeit gibt uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stets die Gelegenheit, im Tagesgeschäft vorläufig zur Seite geschobene Arbeiten endlich abzuarbeiten, an mittel- und langfristigen Projekten zu arbeiten und sich strategischen Fragen, etwa derjenigen nach der Weiterentwicklung unseres Lern- und Erinnerungsortes zu widmen. Sie jedoch denken sich: Wenn nicht jetzt, in der (zumindest kalendarisch so ausgewiesenen) Sommerzeit, in den Sachsenwald, wann dann? Wenn Sie sich schon einmal einen kleinen Eindruck von An- und Durchfahrt in Bezug auf Friedrichsruh machen wollen, schauen Sie das kleine Video (mit Dank an goggostreetview). Wir freuen uns auf Ihren Besuch und werden uns bald wieder in regelmäßigeren Abständen mit Informationen rund um "Otto von Bismarck und seine Zeit" melden!

 

 

Bahnhofskino - Historienfilm: Frühlingssinfonie

Geschrieben von Conwebia am Montag, den 11. Juli 2011 um 16:09 Uhr

Frühlingssinfonie ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahre 1983, in dem insbesondere das Paar Clara und Robert Schumann porträtiert werden. Der Titel greift den Beinamen der 1. Sinfonie Robert Schumanns auf.

Förderverein auf Altmark-Fahrt

Geschrieben von Dr. Ulf Morgenstern am Dienstag, den 14. Juni 2011 um 08:18 Uhr

Am 8. Juni lud der Förderverein der Otto-von-Bismarck-Stiftung auf eine Tagestour in die Altmark ein. 40 Teilnehmer begaben sich unter der Leitung von Prof. Ulrich Lappenküper, Dr. Ulf Morgenstern und Andreas Heick auf die Landpartie im Bus. Die erste Station war traditionsgemäß ein Besuch in Schönhausen, dem Geburtsort Otto von Bismarcks. Die Leiterin der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen, Dr. Andrea Hopp, und die dortige Museumspädagogin, Frau Katja Gosdek, führten die Teilnehmer durch das Schönhauser Bismarck-Museum sowie den Ort selbst. Die beeindruckende Kirche aus dem 13. Jahrhundert fand dabei ebenso Beachtung wie das zweite Bismarcksche Schloß im Ort, pragmatischerweise Schönhausen II. genannt. Vom Geburtshaus des Kanzlers, das bis 1945 von seiner verwitweten Schwiegertochter bewohnt wurde, steht nur noch ein Seitenflügel: lediglich ein zur Erinnerung auf die Kellerreste gemauerter Sockel erinnert am Rand des Barockparks noch an die Sprengung des eigentlichen Gebäudes bei einer NVA-Übung im Jahr 1958. Nach einer Stärkung im Restaurant Elbaue ging die Fahrt mit einer Führung durch das unweit gelegene Kloster Jerichow weiter. Die umfangreiche und momentan hervorragend restaurierte Anlage ließ bei nicht wenigen Besuchern den Wunsch nach einem zweiten Besuch aufkommen, entdecken ließe sich noch genug. Auch der dritte Programmpunkt begeisterte die Ausflügler.

Nur wenige Kilometer von Jerichow entfernt steuerte die Gruppe die Dorfkirche in Wust an, die an sich schon eine Besichtigung wert ist. Besonders anziehend war sie im Rahmen der Fahrt, da an die Kirche die Gruft der Kattes anschließt, in der auch der Sarg des bekannten Freundes Friedrichs II. steht. Die Geschichte der grausamen Hinrichtung des an der geplanten Flucht des Kronzprinzen beteiligten Jugendfreundes Friedrichs des Großen wurde den Besuchern ebenso eindringlich in Erinnerung gerufen wie die anrührende Rettung der Wuster Dorfkirche. Auf Initiative des Sohnes des Pfarrers wurde das ehrwürdige, über die Jahrzehnte jedoch dem Verfall preisgegebene Gebäude seit den 1970er Jahren in Eigenregie durch eine Gruppe von Enthusiasten wieder in Stand gesetzt. Reisende aus Ost und West staunten über das Beispiel religiösen und bürgerschaftlichen Engagements in der späten DDR, dessen schönes Resultat noch heute beeindruckt. In Bauform und Ausstattung ist die Kirche ist eine eigentümliche Melange aus uralten romanischen Wurzeln und barocken Gestaltungswillen ihrer frühneuzeitlichen Patrone.

Alle drei Stationen der Reise - Schönhausen, Jerichow und Wust - fanden begeisterte Aufnahme bei den Teilnehmern der Fahrt, so dass der kurze, aber heftige Schauer, der einige am Vormittag durchnässt hatte, bald vergessen war und am Ende viele an eine baldige Wiederholung der Altmark-Fahrt dachten.

Open-Air-Vernissage

Geschrieben von Conwebia am Montag, den 06. Juni 2011 um 08:54 Uhr

Strahlend blauer Himmel begleitete die Eröffnung der Sonderausstellung "Lili Marleen. Ein Schlager macht Geschichte" am Freitag, den 3. Juni 2011, vor dem Stiftungssitz, dem historischen Bahnhofsgebäude in Friedrichsruh. Aufgrund der fast perfekten Witterung hatte sich das Stiftungsteam spontan entschlossen, die Auftaktveranstaltung erstmals seit Bestehen der Bundeseinrichtung ins Freie zu verlegen. Etwa 100 Besucher lauschten den einführenden Worten des Geschäftsführers, Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, und dem sich anschliessenden Gespräch von Dr. Andreas von Seggern mit dem Eröffnungsgast, dem Schauspieler und Musiker Ulrich Tukur. Im Mittelpunkt stand dabei Tukurs besondere Leidenschaft für historische Schlager der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die er gemeinsam mit seinen kongenialen "Rhythmus Boys" seit 1995 auch auf der Bühne leidenschaftlich auslebt. Davon konnte man sich am Abend im Theatersaal des Augustinum im benachbarten Augustinum überzeugen, wo Tukur und seine Band mit einem fulminanten und amüsanten Auftritt das Publikum, inklusive einer spontanen Interpretation von 'Lili Marleen', in ihren Bann zogen. Insgesamt für Gäste und Mitarbeiter eine "runde" Sache, die bei geeigneter Witterung sicher einmal wiederholt werden wird.